Fertilität und Umweltgifte
Dr. Klaus Rhomberg, Facharzt für Medizinische Biologie, Innsbruck

Pressestimmen und Reaktionen



ORF ON Science, 21.02.2002, 12.30: Unfruchtbarkeit durch Schadstoffbelastung?

tirol.ORF.at, 21.02.2002, 14.40: Kinderlos durch Schadstoffbelastung

ORF, 21.2.2002, ZIB: "Ein Fünftel aller Paare ungewollt kinderlos"
Bericht über Inhalt der Dokumentation und Interview mit Dr. Klaus Rhomberg

Fertilität und Umweltgifte, Besprechung der Pressekonferenz in Ökobiotikum 1/2002, 9



Der Standard, 15.2.2002

Kinderlos durch Pestizide

Umweltmediziner warnt vor Genuss von belastetem Gemüse und Obst
Walter Müller

Innsbruck/Wien - "Natürlich fällt man nicht gleich morgen tot um", relativiert Klaus Rhomberg. "Es kann sogar sein, dass wir 100 Jahre alt werden. Aber es kann auch sein, dass wir unfruchtbar und keine Enkelkinder mehr haben werden", weist der Innsbrucker Umweltmediziner im STANDARD-Gespräch auf eine der möglichen Folgen einer permantenen Aufnahme von Pestiziden über die Nahrungskette hin.
Das Problem der Giftstoffe in den Lebensmitteln sei allgegenwärtig, wie auch laufende Kontrollen zeigten. Bei flächendeckenden Untersuchungen wurden erst im Herbst bei so ziemlich allen im Supermarkthandel erhältlichen Gemüse- und Obstsorten, die konventionell angebaut wurden, Pestizidrückstände entdeckt.
Es sei Kenntnisstand der Wissenschaft, dass die Pestizide auf den Hormonhaushalt wirken und "Regelkreise im Körper" stören. Eine wesentliche Folge der permanenten Aufnahme von Pestiziden sei eben eine mögliche Unfruchtbarkeit, die in zunehmendem Maße in den Industrieländern, aber auch speziell bei Bauern, die mit Pestiziden hantieren, zu beobachten sei. Die Wahrscheinlichkeit, kinderlos zu bleiben, habe sich seit den Sechzigerjahren verdreifacht. Die Schadstoffe wirken aber auch auf das Zentralnervensystem, was wiederum Schlafstörungen und psychische Erkrankungen auslösen könne.
Als gesichert gelte auch, sagt Rhomberg, dass die Aufnahme von Pestiziden mitverantwortlich für die Entstehung von Krebserkrankungen (Brust, Hoden, Prostata) sei. Weniger gefährlich, aber überaus unangenehme weitere Folgen: Schlaflosigkeit und Allergien. Rhomberg: "Es ist völlig neu, dass plötzlich 50- oder 60-jährige Menschen Allergien entwickeln."

Giftcocktails

Man wisse zwar heute, dass Pestizide mitverantwortlich für die Entstehung von Krankheiten sind, unklar seien aber noch die exakten Wirkungsmechanismen. Auch, wenn Obst und Gemüse gleich mit mehreren Pestizidsorten ("Pestizidcocktails") kontaminiert sind. Es sei offen, wie sich die Kombination der Substanzen - auch wenn sie im Grenzbereich bleiben - im Körper entfalte.
Was also tun? Auch Rhomberg ist ratlos: "Es ist eine brutale Welt. Jene, die es sich leisten können, können auf Bioprodukte umsteigen. Die anderen müssen notgedrungen die kontaminierten Sachen verzehren. Es ist ja auch innerhalb des Agrarsystems kaum möglich, großflächig Bioprodukte anzubieten."



Salzburger Nachrichten, 22.2.2002

Kinderlose Paare sollten Bio-Lebensmittel kaufen

WIEN (SN, APA). In den Industriestaaten bleiben immer mehr Paare unfreiwillig kinderlos. Ein Teil ist wohl auf den Wunsch vieler Frauen zurückzuführen, erst spät Kinder zu bekommen. Für den Innsbrucker Umweltmediziner Klaus Rhomberg spielt aber auch die Schadstoffbelastung eine Rolle. Er erklärte dazu am Donnerstag in Wien: "In den fünfziger Jahren betrug der Anteil der kinderlosen Paare noch fünf bis acht Prozent. Wir wissen, dass sich ihre mögliche Anzahl auf 15 bis 20 Prozent gesteigert hat."

Als gesichert gelte, dass vor allem der in der modernen Welt ständig vorhandene Cocktail an Pestiziden, Insektiziden, PCB, Hexchlorbenzol, Holzschutzmitteln und Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Quecksilber etc. an der verringerten Fertilität ursächlich beteiligt seien, so Rhomberg. Hinzu käme, dass manche der Substanzen Hormon-ähnliche Wirkungen hätten und auch noch in geringsten Mengen die Fruchtbarkeit von Mann und Frau verringerten. Beispielsweise habe sich seit den fünfziger Jahren die Zahl der Spermien im Ejakulat des Mannes deutlich reduziert. Wer also kinderlos sei, sollte laut Rhomberg "beim Biobauern kaufen". Und: "Ich fordere eine Förderung des ökologischen Landbaus."



Die Presse, 22.2.2002

"Unfruchtbar durch Umweltgifte"

Chemikalien, Pestizide und hormonell wirksame Substanzen machen unfruchtbar, warnt ein Umweltmediziner. In Österreich sind 17 Prozent aller Paare betroffen, die Kinder wollen.

WIEN (milo). "Für die Industrieländer gilt, daß 15 bis 20 Prozent aller Paare ungewollt kinderlos sind, weil die Fruchtbarkeit durch Umwelteinflüsse beeinträchtigt ist", warnt Klaus Rhomberg, Facharzt für Medizinische Biologie. Er praktiziert in Innsbruck und wertet seit Jahrzehnten Zusammenhänge zwischen Unfruchtbarkeit und Umweltverschmutzung aus. "In Österreich ist jedes sechste Paar unfruchtbar - 17 Prozent."
Rhomberg: "Die Zahl der Spermien ist in den vergangenen 50 Jahren deutlich gesunken. Die Weltgesundheitsorganisation hat so darauf reagiert, daß der Normwert sukzessive gesenkt worden ist - von 120 Millionen Spermien 1951 auf 20 Millionen im Jahr 1989."
Zudem habe die Beweglichkeit der Spermien abgenommen.

Chemie im Essen

Schadstoffe - wie etwa Schwermetalle - werden auch im gesamten Genitalbereich von Frauen nachgewiesen. Rhomberg, Mitglied der "Internationalen Vereinigung der Umweltmediziner (ISTE)", in der 10.000 Ärzte vertreten sind: "In Industrieländern sinkt die Fertilität stetig." Zurückzuführen sei dies auf den Chemieeinsatz in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln. Dabei gebe es immer wieder Substanzen, die auch die Hormone beeinflussen.

Klaus Kastenberger, Sprecher der Umweltorganisation "Global 2000" und selbst Arzt: "Es stimmt nicht mehr, daß die Dosis das Gift macht. Es gibt das Zusammenwirken mehrerer Substanzen, die Wirkungen vieler Chemikalien sind noch unerforscht." Beide, Rhomberg und Kastenberger, verlangen eine Besteuerung von Chemieeinsatz und mehr Förderungen für biologischen Landbau.



Wiener Zeitung, 22.02.2002

"Schadstoff-Cocktail" spielt laut Experten massive Rolle

Fruchtbarkeit nimmt ab - Zahl kinderloser Paare zu

In den Industriestaaten bleiben immer mehr Paare unfreiwillig kinderlos. Ein Teil ist wohl auf den Wunsch vieler Frauen zurückzuführen, erst spät Kinder zu bekommen. Für den bekannten Innsbrucker Umweltmediziner Klaus Rhomberg spielt aber auch die Schadstoffbelastung eine wichtige Rolle.

"In den fünfziger Jahren betrug der Anteil der kinderlosen Paare noch fünf bis acht Prozent. Wir wissen, dass sich ihre mögliche Anzahl auf 15 bis 20 Prozent gesteigert hat", sagte Rhomberg gestern bei der Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Forschung, die Projekte außerhalb des "Mainstreams" fördern will. Der Umweltmediziner hat für die Gesellschaft eine Dokumentation über Hinweise auf die Beteiligung von Umweltgiften und Schadstoffen an der angenommenen Abnahme der Fertilität zusammengestellt. Nach ersten Forschungsergebnissen in den fünfziger Jahren sei mittlerweile von Fachleuten akzeptiert, dass sich beispielsweise die Zahl der Spermien im Ejakulat verringert habe. Rhomberg über die seiner Meinung nach bisher völlig unzureichenden Konsequenzen aus diesen Beobachtungen: "Man setzt lieber die Normwerte herunter, als dass man sich auf die Suche nach den Ursachen begibt." Wären 1951 noch 120 Millionen Spermien pro Milliliter Samenflüssigkeit als normal angesehen worden, hätte die WHO 1989 einen Normalwert von nur noch 20 Millionen Spermien pro Milliliter etabliert. Für den Umweltmediziner ist jedenfalls gesichert, dass vor allem der in der modernen Welt ständig vorhandene Cocktail an Pestiziden, Insektiziden, PCB, Hexachlorbenzol, Holzschutzmitteln und Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Quecksilber etc. an der verringerten Fertilität ursächlich beteiligt ist. Hinzu käme, dass manche der Substanzen Hormon-ähnliche Wirkungen hätten und auch noch in geringsten Mengen ihren Effekt auf die Fruchtbarkeit von Mann und Frau entfalteten. Klaus Kastenhofer von Global 2000 fasste die Ergebnisse einer Analyse von zehn Kilogramm aus Spanien importierter Paprika zusammen: "Das Ergebnis war erschreckend. Wir haben bis zu acht Pestizide in einer Probe gefunden." Bei manchen der entdeckten Substanzen gebe es wegen ihrer Hormon-ähnlichen Wirkung einen unteren Schwellenwert.



FORMAT, 10/2002

Giftcocktails aus Spanien

... "Jeder Toxikologe meint zurecht, man müsse sich keine Sorgen machen, wenn man einmal hochbelastetes Gemüse zu sich nimmt", sagt der Innsbrucker Umweltmediziner Klaus Rhomberg, "das heißt aber nicht, dass Pestizide harmlos sind. Einzelne Substanzen wirken ähnlich wie Hormone, die möglichen Effekte sind Immunschäden und Fortpflanzungsstörungen." So argumentiert etwa die Heidelberger Endokrinologin Ingrid Gerhard, dass die Hälfte aller Paare mit unerfülltem Kinderwunsch sich künstliche Befruchtungen ersparen könnten, würden sie bewusst die Schadstoffaufnahme minimieren. ...



Volksstimme, 28.2.2002

Woher kommen k(l)eine Kinder?

Ein weiterer Grund für Kinderlosigkeit ist die zunehmende Unfruchtbarkeit durch Schadstoffbelastungen, wie der Innsbrucker Umweltmediziner Klaus Rhomberg vergangene Woche aufzeigte:

Der ständig vorhandene Cocktail an Pestiziden, Insektiziden, PCB, Hexachlorbenzol, Holzschutzmitteln und Schwermetallen wie Blei, Cadmium, Quecksilber usw. würden die Fertilität beträchtlich beeinträchtigen. ...



Abgeschlossene Projekte



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