Multiple Chemische Sensibilität - Ansichten einer Krankheit
Dr. Klaus Rhomberg, Facharzt für Medizinische Biologie, Innsbruck

Pressestimmen und Reaktionen



Kurier, 14.7.1998

Wenn Umweltgift zur Bedrohung wird

Wer unter "multipler chemischer Sensibilität" leidet, muß ein Leben ohne Schadstoffe führen. Hunderte Österreicher sind betroffen.

"Die Krankheit hat höchstwahrscheinlich eine genetische Komponente", sagt der Innsbrucker Umweltmediziner Klaus Rhomberg, der erst kürzlich ein Papier zum Thema MCS veröffentlichte, "bestimmte Menschen scheinen einfach auf Xenobiotika, also Substanzen, mit denen der Mensch während seiner Evolution nie konfrontiert wurde, besonders empfindlich zu reagieren. Eigentlich sollte uns das nicht verwundern, denn in Arzneimittelstudien stellt man immer wieder fest, dass einige wenige schon bei kleinsten Dosierungen eines bestimmten Medikaments schwerste Reaktionen zeitigen." Allerdings räumt auch Rhomberg ein, dass die meisten Fälle auch eine mehr oder weniger ausgeprägte psychologische Komponente erkennen lassen. So kommt es vor, dass MCS als Folge einer schweren Vergiftung oder in psychischen Krisensituationen auftritt. Wie Psyche und MCS zusammenhängen, gilt es noch zu erforschen. Keinesfalls will Rhomberg den Vorwurf der "Ökochondrie" gelten lassen: "Die MCS-Patienten, die ich gesehen habe, sind ganz normale Menschen, die sich vor Ausbruch ihrer Krankheit überhaupt nicht mit Schadstoffen oder Umweltfragen beschäftigt haben. Oft dauert es Jahre, bis die Menschen merken, dass zwischen ihren Beschwerden und bestimmten Umweltchemikalien überhaupt ein Zusammenhang besteht." Ich dieser einmal hergestellt, ist der Leidensweg aber keineswegs zu Ende. Denn ein schadstofffreies Leben ist teuer, erfordert den Umbau der Wohnung, die Umstellung der Kost und nicht selten auch den Wechsel des Arbeitsplatzes. Dazu sind die meisten MCS-Kranken in ihrem angeschlagenen Zustand aber nicht in der Lage und Hilfe von offiziellen Stellen gibt es in Österreich derzeit keine.

"Bei MCS besteht kein Zusammenhang zwischen Beschwerden und einem bestimmten Stoff." (Gesundheitsministerium)

Wer den Verdacht hat, an MCS zu leiden, kann sich an der Ambulanz für klinische Umweltmedizin am AKH untersuchen lassen (TelNr: 01/40400-4729).



Gesundheit 6/1998

Die verleugnete Krankheit

Gerichte und Behörden überfordert

Dr. Klaus Rhomberg, Innsbrucker Umweltmediziner und Medizinbiologe, der sich nach Kräften für die Anerkennung von MCS einsetzt: "Die Behörden und Krankenkassen sind damit heillos überfordert, aber auch die Ärzteschaft. Es gibt kaum jemanden mit ausreichender toxikologischer Ausbildung. Außerdem zeigt das Anerkennen, welche Folgen unser Umgang mit der Umwelt zeitigen kann und führt zu einem Umdenken, gegen das sich viele wehren. Es ist doch seltsam: Während bekannt und anerkannt ist, dass synthetisch hergestellte Medikamente von durchschnittlich jedem 2000sten Patienten überhaupt nicht vertragen werden und sogar sein Leben gefährden können - die Pharmakonzerne forschen hier sehr viel, um sich Schadenersatzklagen zu ersparen - sollte das bei anderen künstlichen Substanzen reine Einbildung sein?"



Profil Nr. 27, 27.6.1998

Das Phantom-Syndrom ...

Klaus Rhomberg, Innsbrucker Facharzt für medizinische Biologie, ist die Diagnose klar: Multiple Chemikalien-Sensibilität (MCS), eine Überreaktion des Organismus auf geringe Spuren von Umweltchemikalien. Die Störung verwirrt nach noch ungeklärten Mechanismen das Nerven- und Immunsystem. Die Symptompalette reicht laut Rhomberg von Schlaflosigkeit, Verdauungsproblemen und Depression bis zu Schock, Atemstillstand und Lähmungserscheinungen. Laut Rhomberg leiden darunter etwa 4% der Bevölkerung, Selbsthilfeorganisationen in den USA sprechen von 15%. Doch nur wenige Mediziner in Österreich und Deutschland sind bereit, MCS als körperliche Erkrankung anzuerkennen. ...

Das Betroffene in Österreich nicht selten in der Psychiatrie landen, hält Rhomberg für das Resultat von unzureichender Information seiner Kollegen: "Es ist leicht, bei diesen Patienten die psychischen Probleme zu sehen, weil auch das Nervensystem betroffen ist. Da dreht man den Spieß um und macht diese zum Grund für die Krankheit." ...

Andere kratzen die Kurve weniger bravourös. "Die Leute verlieren ihre Existenzgrundlage, landen in der Gosse", berichtet Umweltmediziner Rhomberg, der mutmaßt, dass die zögerliche Anerkennung des Syndroms als Krankheit tiefere Gründe hat: Arbeitsplatzbedingte MCS wäre eine entschädigungspflichtige Berufskrankheit, Produktbedingte MCS würde zu Schadenersatz berechtigen. Verursacher, Krankenkassen und Rentenversicherungen würden zur Kasse gebeten. ...

In den USA, Kanada und Großbritannien wird Multiple Chemikalien-Sensibilität bereits anerkannt. Eigene Kliniken nehmen sich der Umweltkranken an. In den USA kann Diskriminierung von MCS-Kranken die Krankenkassen, Arbeitsrisiko- und Pensionsversicherungen teuer zu stehen kommen. Der für derlei Vergehen vorgesehene Entschädigungsrahmen liegt zwischen 50.000,-- und 100.000,-- US-Dollar.



Körper die gegen alles rebellieren, Interview mit Umweltmediziner Dr. Klaus Rhomberg, Die Furche 1998


Juni 1998, ORF Fernsehsendung "Willkommen Österreich" mit Dr. Klaus Rhomberg


Juni 1998, ORF-Radio, Interview mit Dr. Klaus Rhomberg in der Sendung "Im Journal zu Gast"



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